Im Höhenflug durch eine heiße Nacht

The Hi Fly Orchestra mit Sänger Karl Frierson heizen beim Sommer am See mächtig ein

Bei sommerlich heißen Temperaturen sorgte der heiße Groove, der Münchner Band mit Special Guest Karl Frierson nicht gerade für Abkühlung. Ganz im Gegenteil, die Truppe bringt am Samstagabend die gut besuchte Alte TÜV Halle zum Kochen. Das Opener-Stück, noch ohne Frierson stellt die Mitglieder der Band musikalisch vor und lässt in den solistischen Einlagen schon erahnen, dass da Spitzenmusiker am Werk sind. Nicht umsonst ist diese Formation seit Jahren in ganz Europa unterwegs, auch wenn sie im Schwabenländle bislang noch kaum Station machte. Eher zufällig wurde der AK Konzerte der Waldorfschule, Veranstalter dieses Konzertes, auf Saxofonist Florian Riedl und seine Bandkollegen aufmerksam. Karl Frierson hingegen ist nicht nur durch Auftritte in der Region bekannt, sondern eine der europaweit gefragtesten Stimmen im Funk und Soul - Genre. Warum das so ist, demonstriert er eindrucksvoll, als er der geflüsterten Ansage einen lauten „Get Ready“-Schrei folgen lässt und mit der gleichnamigen Nummer für Verzückung im Publikum sorgt. Selbiges wird umgehend in „call and response“-Passagen miteinbezogen. Es dauert nicht lange, da tanzen auch schon ein Viertel der rund 100 Besucher. Überwiegend präsentiert die Band Eigenkompositionen, die gelegentlich an „Cantaloupe Island“, Blues Brothers oder Maceo Parker-Stücke erinnern, die genial arrangiert, die solistischen Fähigkeiten von Florian Riedl (Altsaxofon), Johannes Herrlich (Posaune), Chris Gall (Piano), Jerker Kluge (Kontrabass), Hajo von Hadeln (Drums) und Ravi Pagnamenta (Percussion) wirkungsvoll in Szene setzen. Der aus South Carolina, USA stammende Karl Frierson präsentiert sich nicht nur als großartiger Sänger, der sich mühelos, spielerisch in Tonlagen, die man eher einer Sopranistin zuordnen würde, hochschraubt. Der charmante Entertainer beschwört bei „Let’s Get It On“ Marvin Gays Geist, der sodann lautstark gemeinsam mit dem Publikum in die TÜV Halle gerufen wird. Gesanglich seinem Idol in nichts nachstehend, bewegt er sich tänzerisch über die Bühne, bedient sich rhythmischer Scat-Techniken á la Al Jarreau oder Bobby Mc Ferrin. Gestochen scharfe Breaks und plötzlich wechselnde Rhythmen des „Orchestras“ tun ihr übriges. Da passt einfach alles zusammen. Jimmy Hendrix‘ „Crosstown Traffic“ in das mal flüchtig ein „Superstition“ eingeflochten wird, geht so in die Beine, dass nun nahezu die halbe Halle zu tanzen scheint. Selbstredend, dass die Musiker nicht ohne Zugaben den Abend beenden können; aber das scheinen sie auch gar nicht zu wollen. Längst sind Musiker und Publikum zu gemeinsamen Akteuren geworden, die einfach nur Spaß haben, wie man an den strahlenden Gesichtern ablesen kann. Auch Kulturmanager Andreas Wolfer gratuliert zu diesem gelungenen Engagement und das Hi Fly Orchestra wird in den nächsten Jahren wohl keinen Bogen mehr um Böblingen machen können.

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