Spannende Exkursion führt zum Segelschein

Achtklässler der Waldorfschule Böblingen haben am Forggensee bei Füssen eine Abschlussfahrt der besonderen Art erlebt

Kreiszeitung  / Böblinger Bote vom 21.07.2015

Alle Mann an Bord? Zum Forggensee bei Füssen ging die Abschlussfahrt der 8. Klasse der Böblinger Waldorfschule. Es war eine Exkursion der besonderen Art, denn die Schüler konnten dabei ihren Segelschein ablegen.
BÖBLINGEN (red). Nicht nur bleibende Erinnerungen, vielleicht auch eine neue Leidenschaft nahmen die Achtklässler der Böblinger Waldorfschule von ihrer Abschlussfahrt mit. Es ging zum Forggensee bei Füssen im Allgäu, in einem fünftägigen Segelkurs absolvierte rund die Hälfte der 28 Schüler den Grundschein im Segeln.
„Eigentlich haben wir nicht lange überlegt. Ich habe die Tour einfach als Vorschlag in die Klasse getragen und er wurde angenommen“, erzählt Gunther Rall, Klassenlehrer und Initiator der Aktion. „Ich habe das schon einmal vor vier Jahren mit einer Klasse gemacht. Einige sind dem Segeln bis heute treu geblieben und haben sogar ein eigenes Boot.“ Wichtig sei ihm bei der Sache zunächst, dass die Jugendlichen etwas im Freien machen. „Meine Schüler kommen da mit vielen verschiedenen Elementen in Berührung: Sonne, Wasser, Wind.“ Zudem förderten die Segellektionen, bei denen stets vier Schüler gemeinsam eine Bootsmannschaft stellen, die Teamarbeit und die Abstimmung in der Gemeinschaft. „Auf dem Wasser ist höchste Konzentration gefragt“, erklärt Rall. „Man muss sich immer bewusst sein, wie das Boot steht und welche Aktionen man ausführt. Ein verkehrtes Steuermanöver reicht, und der Großbaum rauscht über das Deck.“ An den Theoriekursen jeden Vormittag und beim ersten Tagestörn am Nachmittag nahm die gesamte Klasse teil, eine zweite Praxiseinheit pro Tag war nur jenen vorbehalten, die einen Segelschein ablegen wollten. „Die gemeinsamen Ausfahrten waren uns wichtig, damit alle mal auf das Wasser kommen und Segeln auch wirklich erleben“, erzählt Rall.
Für den 14-jährigen Samuel Hohaus, der bereits in seiner Familie „Segel-Vorkenntnisse“ sammeln konnte, hielt die Theorie viel Neues bereit: „Wir haben sehr viel über Wind erfahren und wie wir die Segel stellen müssen“. Samuel Hohaus fasziniert vor allem, wie schnell man allein durch Windkraft vorankommen kann. Seine gleichaltrige Klassenkameradin Emily Pfizenmaier machte zunächst eine etwas weniger faszinierende Erfahrung: Beim ersten Törn wurde sie seekrank. Heute lacht sie darüber. Und als bei der zweiten Ausfahrt die Skipperin einen etwas ruhigeren Kurs anschlug, ging es auch bei ihr gut. Einig sind sich alle darin, dass die Zeit am Forggensee ein besonderer Abschluss der gemeinsamen achtjährigen „Klassenlehrerzeit“ gewesen ist. Denn in der Waldorfpädagogik begleitet ein und derselbe Lehrer eine Klasse durch die Schuljahre eins bis acht. „Wir versuchen, die Schüler in ihrer Persönlichkeiten zu verstehen“, erklärt Rall, „und eine tiefe Verbindung auf der Basis von Vertrauen zu entwikkeln. So können wir jedem einzelnen Schüler helfen, seine Talente nach besten Möglichkeiten zu entfalten.“ Dafür müsse er alle so genau wie möglich kennen. „Und das geht nur, wenn ich als Lehrer ihren Entwicklungsweg kenne.“
Die engen Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern würden daher auch oft über den Abschluss hinaus bestehen. „Vielleicht“, scherzen Gunther Rall und Samuel Hohaus, „sehen wir uns in zehn Jahren ja wieder mal zum Segeln“.

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