Klassenspiel der 11. Klasse

Serienmorde in Böblingen?

Auf dem Boden liegt eine Leiche. Im Kontrast zu diesem Bild ertönt zarte Geigenmusik. Wer damit seinen aufgewühlten Zustand beruhigt, ist der Mörder: Es ist kein geringerer als Albert Einstein selbst, zumindest hält er sich dafür, als berühmter Insasse einer Heilanstalt.  In der Folge tun sich immer mehr Abgründe auf und das Schlimmste ist, dass auf einmal gar nicht mehr klar ist, wer hier verrückt und was normal ist. C. G. Jung erkannte schon, dass der Größenwahn mancher Irren nur eine Übersteigerung der Selbsteinschätzung der „Normalen“ ist…
Die Leiterin des Sanatoriums weist alle Schuld von sich: „Wenn jemand die Verantwortung hat, dann die Medizin, nicht ich. Wir haben uns nur um Gemüt und Nerven der Patienten zu kümmern, schuldfähig sind sie nicht.“
Bedenken, für solch gefährliche Gestalten könnte die Klinik zu teuer sein, mag Frau Oberärztin schnell zu zerstreuen: Geld liegt wie Heu herum, man muss es nur einsammeln. Dann fällt der Vorhang und jetzt erst bei der Verbeugung löst sich die Anspannung und man blickt in stolze Gesichter und leuchtende Augen. Wir haben „Die Physiker“ genossen, dargestellt von der 11. Klasse der Freien Waldorfschule Böblingen unter der Regie von Marion Schroth.

Selbstverständlich sitzt bei allen der Text perfekt bei einem Schauspiel, das fast zwei Stunden geht. Aber darüber hinaus leben sich alle mit Gefühl und Begabung in ihre Rollen ein. Dabei halten die jungen Mimen perfekt die Balance zwischen dem Ernst der Thematik und der sich zwangsläufig ergebenden, skurrilen Situationskomik, die sie mit viel Spaß auskosten. Im Vorfeld hatten sich die Schüler mehrere Stücke zur Auswahl angeschaut, der Witz dieser Gegensatzspannung mag sie sicher angesprochen haben. Der begeisterte Applaus von ca. 100 Zuschauern, (trotz schwüler Temperaturen), spricht für sich, und diese einzigartige Atmosphäre aus stolzen Eltern und stolzen jungen Menschen kann man sowieso nur bei einer solchen Schulaufführung erleben. 

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, sei herzlich eingeladen auf die Homepage der Waldorfschule zu gehen, um solche Highlights in Zukunft nicht mehr zu verpassen.

 

Text: Wolfram Kunz