Singspiel der 6. Klasse – Schneewittchen
Schneewittchen und die sieben Zwerge am 24. und 25. April 2026
,,Zuerst habe ich meine Tochter gar nicht erkannt, die Theaterschminke, und sie hat ihre Stimme dermaßen verstellt“! Ich drehe mich um, und blicke ins Gesicht der begeisterten und stolzen Mutter.
Gerade solche Momente gehören dazu, bei den brillanten Singspielen der Waldorfschule. Als die Zwerge von der Bühne herunterlaufen, streicht mir einer übermütig tatsächlich durchs Haar, wie ich da sitze, ich aber fühle mich irgendwie dadurch geadelt, aufgenommen ins Gesamtkunstwerk.
Der Zwerg ist nämlich einer von sieben, denn ich sitze im Publikum als Schulschreiber bei der Aufführung der 6. Klasse von ,,Schneewittchen’’ unter der musikalischen Leitung von Christian Vogt und Starregisseur Lucas Amerbacher. Man kann das Märchen lesen, oder einen Film schauen, aber wie Lucas Amerbacher sagt, Zeitkunst, Kunst, die sich in der Zeit vollzieht und unwiederbringlich und kostbar nur in unsrer Seele bleibt, das wirkt noch einmal ganz anders, denn die einmaligen Singspiele gibt es nur zweimal, an zwei Abenden, dann ist die Chance für immer vorbei, sie einmal erlebt zu haben.
Kein Wunder, dass der Saal proppenvoll ist. Im Spiel um egozentrische Eitelkeit, und boshaften Neid, quält die stolze Königin ihren Wunderspiegel: ,,Wer ist die Schönste im ganzen Land?’’ Der Spiegel hat ein silbernglitzerndes Kleid an, gleichsam die Seele des Spiegels, das Mädchen steht im Rahmen und möchte die silberne Jalousie am liebsten herunterlassen, aus Angst vor den hoffärtigen Fragen: ,,Ich bin sensibel – und Vorsicht Frau Königin – auch zerbrechlich!’’
Waldgeister und Elementarwesen führen die Geschichte zum Elementaren, der Gerechtigkeit, in der die Bösen im Märchen ihre gerechte Strafe bekommen.
Die Schüler wachsen über sich selbst hinaus, die professionelle Band, unterstützt vom Schul-Chor treiben das Klassenspiel voran, bis die Stimmung siedet, wie immer, und man nicht mehr genau weiß, sind das nun bei den Proben einstudierte Gags oder improvisieren jetzt alle vor überschäumender Lebensfreude, denn die kann man noch erleben, jaja, bei dem Aushängeschild der Waldorfschule, diesen sagenhaften Singspielen.
Längst ist das Stück vorbei, oder doch nicht? Gehören die nicht enden wollenden Standing Ovations nicht auch dazu? Die Danksagungen an die Technik, die märchenhaften Kostüme, das mega Bühnenbild, an alle Helfer und Kaffekocher und zu guter letzt auch an das Publikum, das die Gags mit Szenengelächter quittierte und somit auch selbst Teil der Aufführung wurde?
Irgendwann klatschen alle füreinander, während glückliche Kinder sich gegenseitig necken, Rosen schenken und Zwergenmützen durch die Luft werfen.
Ja und dann gehen alle glücklich nach Hause und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch!
Wolfram Kunz
